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Unehrlich und erfolgreich… – bis die Blase platzt?

9. Dezember 2014 – 00:01 wal (695x aufgerufen)

Wird in einem Gespräch das Thema auf die momentane Bankensituation gelenkt, fallen uns sehr schnell einige Skandale der vergangenen Monate ein. Es bleibt hierbei die Frage, ob die Skandale eher als Ausnahmefälle zu verstehen sind oder aber ob Unehrlichkeit zu einem Problem der ganzen Branche geworden ist.

Dieser Fragestellung hat sich nun eine Schweizer Forschergruppe der Universit√§t Z√ľrich angenommen. Im Rahmen einer Studie wurden 200 Bankangestellte untersucht. 128 von ihnen waren an einer international agierenden Bank angestellt, die anderen an kleineren Kreditinsituten. Die Probanden wurden vor eine M√ľnzwurfaufgabe gestellt: Sie sollten jeweils das richtige Ergebnis vorhersagen, wobei sie bei jeder richtigen Prognose 20 Doller verdienen konnten. Der Knackpunkt: Die Banker wurden dar√ľber informiert, dass sie nur dann das Geld ausgezahlt bekommen w√ľrden, wenn sie sp√§ter nach Durchf√ľhrung der M√ľnzw√ľrfe ein Ergebnis abgegeben konnten, das entweder dem Durchschnittswurfergebnis aller M√ľnzwerfer entsprach oder h√∂her war. Gleichzeitig wurde ihnen das Gef√ľhl vermittelt, dass das Zustandekommen der abgegebenen Ergebnisse nicht kontrolliert werden w√ľrde.

Ein Teil der Banker wurde mit Hilfe eines Fragebogens auf ihren Beruf und den zugeh√∂rigen Verhaltensnormen fixiert, die andere Gruppe sollte das Spiel einfach als Freizeitaktivit√§t durchf√ľhren. W√§hrend die „Freizeitgruppe“ ein M√ľnzwurfergebnis, das 51, 6% richtige W√ľrfe beinhaltete, √ľbermittelten, gab die „Bank“-Gruppe an, im Schnitt 58,2% richtige Vorhersagen getroffen zu haben. Dies ist bedeutsam √ľber einem Zufallsergebnis, wie es bei einer M√ľnzwurfaufgabe erwartet werden kann. Die Forscher vermuteten aufgrund der Ergebnisse, dass in der Bankbranche unehrliches Verhalten eher toleriert werden w√ľrde.

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Spruch der Woche

8. Dezember 2014 – 00:01 wal (547x aufgerufen)

„Ein jeder Wunsch, wenn er erf√ľllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Wilhelm Busch (1832-1908), deutscher Dichter und Zeichner.

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Auch wenn die Muttersprache nicht gesprochen wird: Das Gehirn erinnert sich.

4. Dezember 2014 – 00:01 wal (604x aufgerufen)

Die erste Sprache, die ein Kind hört, prägt sich in der Regel besonders ein. Nach und nach lernt das Kind in seiner Entwicklung, die Sprache selbst zu sprechen. Doch was passiert, wenn das Kind die Muttersprache gar nicht sprechen kann, sei es, weil es beispielsweise später in einem anderen Land aufgezogen wurde? Mit dieser Frage beschäftigten sich kanadische Forscher um Lara J. Pierce im Rahmen einer Studie.

Untersucht wurden 48 weibliche Versuchspersonen zwischen neun und 17 Jahren, die sich in drei Gruppen unterteilen lie√üen: Eine Gruppe war einsprachig mit Franz√∂sisch aufgewachsen, eine weitere Gruppe kam urspr√ľnglich aus einer chinesischen Familie, wurde jedoch sehr fr√ľh schon von einer franz√∂sischsprachigen Familie adoptiert. Die dritte Gruppe war zweisprachig mit Franz√∂sisch und Chinesisch aufgewachsen. W√§hrend die Probanden im fMRT lagen, wurden ihnen Tonaufnahmen vorgespielt, die charakteristische Laute, wie sie in der chinesischen Sprache vorkommen, enthielten.

Es zeigte sich, dass bei beiden Probandengruppen, die fr√ľh der chinesischen Sprache ausgesetzt wurden, die gleichen Hirnareale erh√∂hte Aktivit√§t zeigten. Dieses Muster konnte bei den einsprachig franz√∂sisch aufgewachsenen Probanden nicht festgestellt werden. Die Forschergruppe deutete die Ergebnisse so, dass die Muttersprache auch dann im Gehirn √ľber die Zeit erhalten bleibt, wenn sich bereits gar nicht mehr bewusst an sie erinnert oder sie nicht mehr gesprochen wird.

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Wenn die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper zum Leiden wird

3. Dezember 2014 – 00:01 wal (585x aufgerufen)

Fast jeder war schon einmal beim Blick in den Spiegel unzufrieden mit sich selbst, sei es weil ein gro√üer Pickel auf der Nasenspitze sa√ü oder die Frisur einfach nicht in den Griff zu bekommen war. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Unzufriedenheit beginnt, √ľberm√§chtig zu werden und der t√§gliche Spiegelblick zur Tortur wird. Patienten, die an einer sogenannten „K√∂rperdysmorphen St√∂rung“ leiden, haben dieses Problem. Die Wahrnehmung des eigenen K√∂rpers ist bei diesem St√∂rungsbild stark verzerrt, sodass die Patienten bestimmte K√∂rperteile als h√§sslich erleben und diese unbedingt verdecken oder √§ndern m√∂chten. Der Badaufenthalt kann so leicht in die Stunden gehen, ohne dass der vermeintliche Makel behoben werden kann. Das St√∂rungsbild reicht bei manchen der Betroffenen gar soweit, dass sie nicht einmal mehr das Haus verlassen k√∂nnen, aus Scham, ihren vermeintlichen Makel der √Ėffentlichkeit pr√§sentieren zu m√ľssen.

Auch andere Bereiche können unter der Störung leiden. So sind einer US-amerikanischen Studie zufolge 61% der Betroffenen arbeitslos, 70 % single und mehr als 20% von ihnen begehen einen Suizidversuch.

Unter dem Störungsbild leiden Studien zufolge etwa 2% der Bevölkerung. Dennoch ist das Krankheitsbild in der Bevölkerung relativ unbekannt. Zur Behandlung empfohlen wird eine Kognitive-Verhaltenstherapie.

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Initiative gegen Selbstmorddarstellungen in der Presse

2. Dezember 2014 – 00:01 wal (630x aufgerufen)

Begeht eine prominente Person Selbstmord, ist das mediale Interesse an der Tat oft sehr gro√ü. Bedacht wird bei der Berichterstattung jedoch meist nicht, dass die ausf√ľhrliche Schilderung eines Suizides Nachahmer finden k√∂nnte. Dieses Ph√§nomen wird Werther-Effekt genannt. Der Werther-Effekt beschreibt, dass nach der Selbstt√∂tung einer prominenten Pers√∂nlichkeit die Selbstmordrate in der Bev√∂lkerung bedeutsam steigt. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um Nachahmungstaten handelt. Der Effekt wurde nach dem Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe benannt. In dem Roman t√∂tet sich die Hauptfigur selbst. Es wird berichtet, dass die Selbstmordrate in der Bev√∂lkerung nach Ver√∂ffentlichung des Werks gestiegen ist.

Die Deutsche Gesellschaft f√ľr Suizidpr√§vention hat in Kooperation mit der WHO eine Initiative gestartet, die dar√ľber aufkl√§ren soll, wie in Berichterstattungen mit dem Thema Suizid k√ľnftig umgegangen werden sollte. Eine weitere Richtlinie hat der Deutsche Presserat herausgegeben. Problem: Die Initiativen und Richtlinien sind f√ľr Journalisten nicht juristisch bindend. Die Vorschl√§ge sehen wie folgt aus: So sollen beispielsweise dem Suizid keine positiven oder romantischen Aspekte zugesprochen werden. Auch sollte auf einen Artikel auf der Titelseite, sensationelle Darstellungen oder die Verbreitung von Abschiedsbriefen verzichtet werden. Zur√ľckhaltung scheint hier das Gebot der Stunde zu sein.

Die Medien k√∂nnen sich aber auch den sogenannten Papageno-Effekt zu Nutze machen, um eher protektive Wirkung zu erzielen. Der Papageno-Effekt beschreibt, dass nicht das berichtete Selbstmordereignis an sich, sondern der Umgang mit diesem relevant f√ľr Nachahmungstaten sind. Beispielsweise k√∂nnen Berichte √ľber √ľberwundene Krisensituationen oder Hilfsangebote pr√§ventiv wirken.

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Spruch der Woche

1. Dezember 2014 – 00:01 wal (443x aufgerufen)

„Man kann niemanden √ľberholen, wenn man in seine Fu√üstapfen tritt.“

Francois Truffaut (1932-1984), französischer Filmregisseur und Schauspieler.

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Geschwisterbeziehungen: Prägend ein Leben lang

27. November 2014 – 00:01 wal (688x aufgerufen)

Kaum jemand hat so einen gro√üen Einfluss auf uns wie unsere Geschwister. Von klein auf begleiten sie uns durch unser Leben. Dabei wird gespielt, gestritten, sich vertragen oder auch mal sich verpetzt. So k√∂nnen beispielsweise soziale Kompetenzen erworben werden. Ist¬† die Beziehung der beiden Geschwister gut zueinander, so hat diese einen (zwar kleinen) Effekt auf die Entwicklung der beiden. So sind sie zum Beispiel meist in sp√§teren Jahren widerstandsf√§higer gegen√ľber negativer Ereignisse.

Doch was passiert, wenn diese Beziehung eher negativ ist? Den Ergebnissen einer Metaanalyse zufolge hat dies einen größeren und negativen Effekt auf die Entwicklung der beiden Kinder. Gerade die emotionale Entwicklung scheint davon betroffen zu sein. So scheinen Kinder aus negativen Geschwisterbeziehungen eher depressiver, ängstlicher oder aggressiver zu reagieren, wenn sie vor schwierige Aufgaben gestellt werden und haben eine niedriger ausgebildete Sozialkompetenz.

Ergebnisse einer Studie der University of New Hampshire weisen darauf hin, dass gerade Geschwisterbeziehungen, die von ständigen Aggressionen geprägt sind, schaden können. So deuteten die Ergebnisse beispielsweise an, dass der aggressivere Geschwister eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, später in die Drogenszene oder in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu werden. Der andere Geschwisterteil, der den Aggressionen ständig ausgesetzt ist, neigt den Ergebnissen zufolge dahingegen eher dazu, später Depressionen oder Angststörungen zu entwickeln.

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Die Gier nach mehr

26. November 2014 – 00:01 wal (565x aufgerufen)

Sind gierige Menschen eher dazu bereit, riskantes Verhalten zu zeigen als Menschen, die weniger gierig sind? Dieser Frage ging eine Forschergruppe der Universit√§t W√ľrzburg im Rahmen einer Studie nach. Hierzu wurde zun√§chst mittels Fragebogen erhoben, wie gierig die Probanden sind. In einem zweiten Schritt wurden dann die Versuchsteilnehmer vor eine Aufgabe gestellt: In einer PC-Simulation sollte ein Luftballon m√∂glichst prall aufgef√ľllt werden. Je mehr Luft in den Luftballon gef√ľllt wurde, desto mehr konnte man gewinnen; gleichzeitig stieg jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Luftballon platzen k√∂nnte. W√§hrend der gesamten Aufgabe wurde eine EEG-Messung durchgef√ľhrt.

Es zeigte sich, dass Teilnehmer mit erhöhten Gierwerten den Luftballon stärker aufbliesen als Teilnehmer mit niedrigeren Werten. Auch unterschieden sich die Probanden im EEG: Das Gehirn meldet normalerweise nach Erledigen einer Aufgabe ein Feedback. Dieses differenziert je nachdem, ob das Ergebnis besser oder schlechter als erhofft war. Während dieser Prozess bei Versuchspersonen mit niedrigen Gierwerten auftrat, war dies bei Probanden mit höheren Werten nicht der Fall.

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Vorteil Zweisprachigkeit

25. November 2014 – 00:01 wal (570x aufgerufen)

Zweisprachigkeit hat scheinbar mehr Vorteile, als bisher gedacht. Neben positiven Aspekten in der Kommunikation scheinen auch bestimmte Denkprozesse besser abzulaufen. Diesen Schluss legen zumindest die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie nahe. Die Studie fokussierte sich auf den Prozess, der abl√§uft, wenn wir Sprache h√∂ren. Wird beispielsweise das Wort Baum genannt, l√§uft in unserem Gehirn bei Erklingen des ersten Buchstabens bereits die Suche nach m√∂glichen Worterg√§nzungen ab. So k√∂nnte z. B. „Ba“ auch mit „ll“ erg√§nzt werden, sodass sich das Wort „Ball“ ergibt. Erst wenn das gesprochene Wort vollst√§ndig ausgesprochen wurde, kommt es zu einer Unterdr√ľckung fehlerhafter Antwortalternativen. Bei zweisprachigen Personen erscheint der Vorgang schon komplexer: Hier m√ľssen nicht nur die falschen Antwortalternativen der einen Sprache unterdr√ľckt werden, sondern auch die der anderen Sprache.

Im Rahmen der Studie wurden nun bilingual aufgewachsene als auch einsprachige Probanden in einem Hirnscanner untersucht, w√§hrend sie vor der Aufgabe standen, ein passendes Bild zu einem geh√∂rten Wort zu suchen. W√§hrend der Audiopr√§sentation wurde den Versuchspersonen vier Bilder gezeigt, von denen eines die Bedeutung des Wortes repr√§sentierte. Alle anderen Bilder zeigten entweder etwas anderes oder einen Gegenstand, der in gesprochener Form √Ąhnlichkeiten zur pr√§sentierten Audioaufnahme aufwies.

Ergebnis: Bei den monolingualen Versuchspersonen wurden bei gleichzeitiger Pr√§sentation eines Bildes mit √§hnlicher Aussprache und eines Bildes, das das gesprochene Wort repr√§sentierte, unterschiedliche -f√ľr die Handlungskontrolle relevante- Hirnareale aktiv, w√§hrend das bei den bilingualen Versuchspersonen nicht zutraf. Die Forscher deuteten die Ergebnisse so, dass diese Begriffsunterscheidung bei bilingualen Probanden trainierter ist und damit besser abl√§uft.

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Mehr zum Thema „Bilingualit√§t und Kognition“ finden Sie im Literaturbestand der Saarl√§ndischen Universit√§ts- und Landesbibliothek.

Buchtipp

Spruch der Woche

24. November 2014 – 00:01 wal (580x aufgerufen)

„Jedermann klagt √ľber sein Ged√§chtnis, niemand √ľber seinen Verstand.“

François de La Rochefoucauld (1613-1680), französischer Literat.

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