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Autismus bei Mädchen. Wirklich seltener oder ein Problem der Diagnose?

10. Dezember 2014 – 00:01 wal (841x aufgerufen) |

Die Autismus-Spektrum-Störung gilt als ein Störungsbild, das vornehmlich bei Jungen auftritt. Zwar gibt es auch Mädchen mit Autismus-Spektrum-Störungen, jedoch sind laut Literatur deutlich weniger von ihnen betroffen. Doch woran liegt dieses Phänomen? Diskutiert werden zur Zeit u. a. Gene, Hormone… und die momentan vorliegenden Diagnosekriterien.

Womöglich gibt es Risikogene für Autismus. Diese scheinen laut aktuellem Forschungsstand vorwiegend auf dem X-Chromosom zu liegen. Da Jungen jedoch lediglich ein X-Chromosom besitzen, können sie das Gen nicht durch ein anderes Allel, d.h. eine andere Zustandsform dieses Gens, kompensieren. Bei Mädchen gibt es hingegen ein zweites X-Chromosom mit einem weiteren entsprechenden Allel, sodass eine Kompensation als möglich erscheint. Diese Annahmen müssen in Zukunft jedoch durch weitere Forschungsarbeit überprüft werden.

Auch könnte es sein, dass das Hormon Testosteron mit der höheren Zahl an Autismusfällen bei Jungen in Zusammenhang steht. So gibt es erste Studien, die beispielsweise einen höheren Testosteronspiegel bei einem Fötus mit mehr Autismussymptomen im späteren Leben in Verbindung bringen konnten.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass Mädchen durch das bisher bestehende Diagnoseraster fallen: Einer Übersichtsstudie einer Forschergruppe um Patricia Van Wijngaarden-Cremers zufolge unterscheiden sich die Symptome bei Mädchen und Jungen. So haben zwar beide Geschlechter anscheinend soziale und kommunikative Probleme, jedoch scheinen bei Mädchen die Interessengebiete weniger eingeschränkt und die für Autismus typischen, sich wiederholenden Verhaltensrituale weniger ausgeprägt zu sein. Es wird vermutet, dass Mädchen auch ihre kommunikativen Probleme besser kaschieren können, sodass diese in der Gesellschaft kaum noch auffallen.

Mehr zum Artikel

Mehr zum Thema „Autismus bei Mädchen“ finden Sie im Literaturbestand der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek.

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