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Tatsächlich unscharf: Wenn das Gehirn Sehschärfe vortäuscht

21. Oktober 2014 – 00:01 wal (637x aufgerufen) |

691889_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.deSchauen wir uns in unserer Umgebung um, gehen wir davon aus, nahezu alles scharf zu sehen. Diese Vorstellung entspricht auch dem Sinneseindruck, den wir haben. Dass jedoch in Wirklichkeit lediglich in einem kleinen Teil des Gesichtsfeldes scharf gesehen werden kann, scheint dabei unvorstellbar. Denn wirklich deutlich sehen können wir nur in dem Bereich, der gerade fokussiert wird. Dieser Umgebungsabschnitt wird auf dem sogenannten gelben Fleck abgebildet, dem Teil der Netzhaut, mit dem wir am schärfsten sehen können. Doch wie kommt nun der Eindruck zustande, dass wir nahezu alles scharf sehen können?

Dieser Frage sind Forscher der Universität Bielefeld näher auf den Grund gegangen. In einer Studie sollten Probanden Bilder betrachten, die erst durch Augenbewegungen schrittweise präzise erfasst werden konnten. Während der Betrachtung des Bildes durch die Versuchsperson änderten die Forscher heimlich Details innerhalb der Darstellung.

Mit Hilfe dieses Verfahrens sollten unscharfe Seheindrücke, die außerhalb des fokussierten Bereichs lagen, mit den scharfen Seheindrücken, die durch die Fokussierung entstanden sind, verknüpft und so gelernt werden. Im Anschluss an die oben beschriebene Vorgehensweise sollten die Teilnehmer „unscharfe“ Gegenstände außerhalb des Fokus näher charakterisieren.

Aufgenommen wurden die Augenbewegungen der Probanden mit Hilfe eines Eyetrackers.

Es zeigte sich, dass die angestrebte Verknüpfung bereits relativ früh entstand und somit auch Bereiche, die nicht scharf gesehen werden konnten, als scharf wahrgenommen wurden. Die Forscher interpretierten die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass Menschen im Laufe ihrer Entwicklung lernen, die wahrgenommenen unscharfen Seheindrücke mit den Seheindrücken, die durch Fokussierung entstanden sind, zu verknüpfen. Konkret bedeutet das, dass das Gehirn den wahrgenommenen Sinneseindruck mit bereits gesehenen Eindrücken abgleicht und bei Übereinstimmung das unscharfe Bild ersetzt. So glauben wir, unsere Umgebung scharf zu sehen, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist.

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Bildquelle: © l-vista / pixelio.de

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